 Univ. Prof. Dr. Wolfgang Kubelka
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Pflanzen als Medizin, Medizin aus Pflanzen – brauchen
wir das heute noch, wo doch in unserem Gesundheitssystem
unzählige, chemisch oder gentechnologisch
hergestellte, spezifisch wirkende Arzneistoffe
zur Verfügung stehen?
Unser Wissen über Pflanzen als Arzneimittel, über
ihre Wirkungen, Wirkstoffe und Anwendungsmöglichkeiten
hat in den letzten Jahrzehnten enorm
zugenommen. Ausgehend von Erfahrungen, die
über viele Jahrhunderte gesammelt wurden, hat die
moderne Wissenschaft wesentlich dazu beigetragen,
dass pflanzliche Arzneimittel als "Phytopharmaka"
(von einfachen Teedrogen bis zu klinisch
geprüften, modernsten Spezialpräparaten) heute in
hoher, gleichbleibender Qualität verfügbar sind. So
haben sie durchaus ihre Berechtigung neben anderen,
etwa synthetischen Arzneistoffen.
Durch die Einhaltung medizinischnaturwissenschaftlicher
Grundsätze unterscheidet sich die moderne
Pflanzenmedizin ("Phytotherapie") von anderen
Behandlungsformen, bei denen ebenfalls Pflanzen
verwendet werden, wie etwa Homöopathie oder
BachBlütentherapie. Sie ist deshalb nicht als "Alternativmethode"
zu betrachten, sondern soll dort, wo
ihr Einsatz vernünftig ("rational") und gerechtfertigt
ist, in der Hand des Arztes oder bei der Selbstmediation
unter Beratung durch den Apotheker, zur
Anwendung kommen.
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Kubelka.Nicht jedes Pflanzenprodukt ist auch ein Arzneimittel;
pflanzliche Präparate werden in sehr unterschiedlicher
Weise hergestellt und angeboten, und
sie enthalten immer viele, viele Stoffe. Eine kritische
Beurteilung ist daher wichtig, aber selbst für den
Fachmann oft nicht einfach. Es ist dem vorliegenden
"Wörterbuch" zu wünschen, dass es viele Fragen
beantwortet und Interesse an einer uralten, heute
aber zu Recht wieder ganz modernen, wichtigen,
Therapiemöglichkeit weckt!
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Kubelka
Vorstand Institut für Pharmakognosie an der
Universität Wien
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